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Vertragsprüfung mit AI: Erstsichtung ja, Freigabe nein

Klauseln finden und mit dem eigenen Playbook abgleichen kann AI gut. Die rechtliche Bewertung bleibt beim Menschen, und die Forschung zeigt, warum.

Lesezeit: 6 Min.Stand: Okt. 20263 Quellen

Ein Rahmenvertrag mit 40 Seiten, drei Anlagen und einer Frist bis Freitag. Die Versuchung ist groß, ihn einfach einem Chatbot zu geben und nach Risiken zu fragen. Das kann helfen, wenn der Ablauf stimmt. Und es kann gefährlich werden, wenn niemand weiß, wo die Grenzen des Werkzeugs liegen.

Die gezackte Grenze

Die Studie von Harvard Business School und Boston Consulting Group hat dafür ein Bild geprägt: die „jagged frontier“, die gezackte Fähigkeitsgrenze. Aufgaben ähnlicher Schwierigkeit liegen teils innerhalb, teils außerhalb dessen, was AI gut kann. Innerhalb wurden die Beratenden schneller und besser. Bei Aufgaben jenseits der Grenze lagen sie mit AI um 19 Prozentpunkte seltener richtigS als ohne. Die AI klang überzeugend und lag trotzdem daneben.

Juristische Bewertung ist ein typisches Grenzgebiet. Ob eine Haftungsbegrenzung angemessen ist, hängt vom Geschäft, vom Gegenüber und von der Verhandlungsposition ab. Die dänische Studie von Humlum und Vestergaard fand bei Juristinnen und Juristen zwar messbare, aber begrenzte Zeitersparnisse.

Was AI zuverlässig kann

Klauseln finden, gliedern und mit einer Vorgabe vergleichen. Wer ein Playbook mit Standardpositionen hat, kann AI die Erstsichtung machen lassen. Die rechtliche Bewertung beginnt danach.

Eine deutsche Legal-Ops-Fallstudie mit unabhängig geprüften Zeitwerten liegt uns bislang nicht vor.

Der Ablauf

AblaufAI-SchrittMenschSystem und DatenPrüfung
  1. 01DatenVertragsentwurf hochladen
  2. 02AIAI extrahiert Schlüsselklauseln: Haftung, Laufzeit, Kündigung, Gerichtsstand, Datenschutz
  3. 03AIAbgleich mit dem eigenen Playbook
  4. 04DatenAmpel-Report mit Fundstellen
  5. 05PrüfungRote Punkte?
    ja: Juristin prüft im Original
  6. 06MenschBewertung und Verhandlungsentwurf durch Legal
  7. 07ErgebnisFreigabe ausschließlich durch Menschen
Prompt
Hier ist unser Playbook mit Standardpositionen: [einfügen]. Prüfe den angehängten Vertragsentwurf. Liste jede Abweichung vom Playbook mit Klauselnummer, wörtlichem Zitat der Stelle, Risikoeinschätzung (hoch, mittel, niedrig) und einem Formulierungsvorschlag. Nenne ausdrücklich jede Playbook-Position, die im Vertrag fehlt. Erfinde keine Klauseln.

Grenzen und Risiken

  • Halluzinierte Klauseln: Verlange immer das wörtliche Zitat mit Fundstelle und prüfe es im Original.
  • Berufsgeheimnis: Kanzleien und Rechtsabteilungen mit Berufsgeheimnisträgern müssen § 203 StGB beachten, bevor Mandantendaten an externe Dienstleister gehen.
  • Auftragsverarbeitung: Ohne Auftragsverarbeitungsvertrag und Business-Lizenz kein Vertrag mit Personenbezug ins Tool.
  • Verantwortung: Die Freigabe erteilt ein Mensch. Das gehört in die interne Richtlinie.

So startest du

  1. Schreib ein Playbook mit zehn Standardpositionen für euren häufigsten Vertragstyp.
  2. Teste die Erstsichtung an fünf bereits verhandelten Verträgen, deren Ergebnis du kennst.
  3. Zähle, was AI gefunden, übersehen und erfunden hat.
  4. Erst wenn die Trefferquote stimmt, nutze den Ablauf für neue Verträge.

Quellen

  1. SDell'Acqua et al.: Navigating the Jagged Technological Frontier, HBS Working Paper 24-013, 2023 (Bericht Legal Dive)
  2. SHumlum, Vestergaard: Large Language Models, Small Labor Market Effects, NBER WP 33777, 2025
  3. R§ 203 StGB, Verletzung von Privatgeheimnissen
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