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Der realistische Copilot: Warum 2,8 Prozent Zeitersparnis kein Misserfolg sind

Die größte Studie zu Chatbots am Arbeitsplatz findet kleine Effekte. Wer richtig rechnet, sieht trotzdem einen positiven Business Case.

Lesezeit: 6 Min.Stand: Okt. 20262 Quellen

Die Werbeversprechen klingen nach Stunden pro Tag. Die bislang größte Studie zu Chatbots am Arbeitsplatz kommt zu einem nüchternen Ergebnis. Anders Humlum und Emilie Vestergaard haben Daten von rund 25.000 Beschäftigten in 7.000 dänischen BetriebenS ausgewertet. Über den gesamten Arbeitstag gerechnet sparten Chatbots im Schnitt 2,8 % der ArbeitszeitS. Auf Löhne und Arbeitsstunden fanden die Forscher keine messbaren Effekte.

Warum das kein Misserfolg ist

Rechnen wir es durch. 2,8 % von 40 Wochenstunden sind gut eine Stunde. Bei Vollkosten von 50 Euro pro Stunde sind das rund 56 Euro pro Woche oder etwa 240 Euro im Monat. Eine Business-Lizenz kostet 20 bis 30 US-Dollar im Monat. Selbst mit dem nüchternen Durchschnitt rechnet sich der Assistent also deutlich.

Wichtiger noch ist ein zweiter Befund der Studie. Wo Arbeitgeber aktiv unterstützten, mit Schulungen und einem offiziellen Unternehmens-Chatbot, berichteten Beschäftigte stärkere Gewinne. Die 2,8 % sind also kein Naturgesetz, sondern ein Ausgangswert.

Das deckt sich mit der Selbsteinschätzung in Unternehmen. In der McKinsey-Umfrage vom August 2026 berichten 80 % der BefragtenU persönliche Produktivitätsgewinne. Selbstauskünfte überschätzen solche Effekte allerdings regelmäßig. Deshalb lohnt es sich, selbst zu messen.

Fünf Routinen, die sich lohnen

  1. Mail-Triage: Ungelesenes sortieren lassen und Entwürfe für das Dringende erhalten.
  2. Entwürfe: Angebote, Konzepte und Zusammenfassungen nie mehr bei null beginnen.
  3. Meeting-Vorbereitung: Aus dem letzten Protokoll und offenen Aufgaben eine Agenda bauen.
  4. Recherche mit Quellen: Antworten nur mit Belegen akzeptieren und die Quellen öffnen.
  5. Tabellenanalyse: Auffälligkeiten finden lassen und jede Zahl einmal gegenprüfen.

Der Ablauf am Beispiel Mail-Triage

AblaufAI-SchrittMenschSystem und DatenPrüfung
  1. 01StartArbeitsbeginn, ungelesene Mails
  2. 02AIAI sortiert: heute, diese Woche, nur lesen
  3. 03AIAntwortentwürfe für die Kategorie heute
  4. 04MenschDu prüfst, änderst und sendest
  5. 05PrüfungEntwurf brauchbar?
    nein: notieren, warum, und den Prompt anpassen
  6. 06ErgebnisFreitag: 10 Minuten Rückblick, welche Routine Zeit gespart hat
Prompt
Sortiere meine ungelesenen Mails in drei Gruppen: heute beantworten, diese Woche, nur lesen. Begründe jede Einordnung in einem Halbsatz. Schreib für die Gruppe "heute" Antwortentwürfe in meinem Ton: freundlich, direkt, höchstens fünf Sätze. Erfinde keine Zusagen oder Termine.

Grenzen und Risiken

  • Verpuffende Zeit: Gesparte Zeit füllt sich von selbst. Lege fest, wofür sie genutzt wird.
  • Prüfaufwand: Jeder Entwurf muss gelesen werden. Wer das vergisst, rechnet die Ersparnis schön.
  • Selbstauskunft: Gefühlte Zeitersparnis ist kein Messwert. Unser Artikel zur METR-Studie zeigt, wie weit beides auseinanderliegen kann.

So startest du

  1. Wähle zwei der fünf Routinen und nutze sie zwei Wochen lang täglich.
  2. Notiere jeden Freitag, wie viel Zeit du geschätzt gespart hast und wo Nacharbeit nötig war.
  3. Behalte, was sich bewährt, und streiche den Rest.

Quellen

  1. SHumlum, Vestergaard: Large Language Models, Small Labor Market Effects, NBER WP 33777, 2025
  2. UMcKinsey: The state of AI in 2026, On the road to ROI, 25.08.2026
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