Fragt man Beschäftigte, ist die Sache klar. Fragt man das Controlling, wird es still. Die Lücke zwischen gefühltem Nutzen und messbarem Ergebnis ist die größte offene Frage beim Thema AI im Unternehmen.
Die Lücke in Zahlen
McKinsey hat vom 4. Mai bis 8. Juni 2026 1.719 TeilnehmendeU befragt. 80 %U berichten persönliche Produktivitätsgewinne durch AI. Als „AI High Performer“ gilt, wer mindestens 5 % des EBIT auf AI zurückführt und den Effekt als signifikant beschreibt. Dieser Anteil stagniert bei rund 6 %U. 32 %U der Befragten bauen eigene Lösungen lieber selbst, statt zu kaufen. 39 %U erwarten durch AI eine sinkende Zahl an Beschäftigten.
In Deutschland wächst gleichzeitig das Budget. Laut Bitkom wollen 45 % der UnternehmenU 2026 mehr für AI ausgeben. Ein Drittel sieht ohne AI die eigene Existenz bedroht.
Die dänische Studie von Humlum und Vestergaard liefert eine mögliche Erklärung für die Lücke: Die gesparte Zeit kommt bislang kaum in Löhnen oder Arbeitsstunden an. Sie verteilt sich im Alltag.
Die Rechnung
Der Netto-Effekt pro Monat ergibt sich aus:
gemessene Zeitersparnis × Vollkostensatz × Anzahl Personen − (Lizenzen + Einführung und Schulung, auf Monate verteilt)
Eine Beispielrechnung mit klar benannten Annahmen:
| Posten | Annahme | Monat |
|---|---|---|
| Team | 20 Personen | |
| Zeitersparnis | 1,12 Stunden pro Woche (2,8 % von 40 Stunden), im Team 22,4 Stunden pro Woche | rund 97 Stunden |
| Vollkostensatz | 50 Euro pro Stunde | rund 4.850 Euro |
| Lizenzen | rund 25 Euro pro Person | −500 Euro |
| Einführung und Schulung | 3.000 Euro einmalig, auf 12 Monate verteilt | −250 Euro |
| Netto | rund 4.100 Euro |
Dieser Betrag ist allerdings nur ein Potenzial. Zum Ergebnis wird er erst, wenn die gewonnene Zeit in messbare Arbeit fließt: mehr bearbeitete Fälle, kürzere Durchlaufzeiten, weniger Überstunden oder weniger externe Kosten.
Der Ablauf
- 01StartBaseline: Zeit, Menge, Qualität vor dem Start
- 02MenschPilot mit klarer Aufgabe und Gruppe
- 03SystemGleiche Messung nach vier bis sechs Wochen
- 04SystemNetto-Effekt nach Lizenz-, Einführungs- und Prüfkosten
- 05PrüfungPositiv und belastbar?nein: Aufgabe wechseln oder stoppen
- 06ErgebnisFestlegen, wofür die gewonnene Zeit genutzt wird
Grenzen und Risiken
- Selbstauskunft: Geschätzte Zeitersparnis ist systematisch zu hoch. Miss mit Stoppuhr, Ticketdaten oder Zeiterfassung.
- Versteckte Kosten: Prüfaufwand, Fehlerkorrekturen und Wartung von Workflows gehören in die Rechnung.
- Studienlage: Viele ROI-Studien werden von Anbietern finanziert. Verlass dich auf eigene Messungen.
So startest du
- Wähle eine Aufgabe mit messbarem Output, etwa Tickets, Angebote oder Berichte.
- Erfasse zwei Wochen lang Zeit und Menge ohne AI.
- Wiederhole die Messung nach vier bis sechs Wochen mit AI.
- Lege vorab fest, wofür die gewonnene Zeit genutzt werden soll, und prüfe es nach drei Monaten.