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Business Case

Der ehrliche AI-Business-Case: So übersetzt du Zeitersparnis in Euro

80 Prozent spüren persönliche Produktivitätsgewinne, aber nur rund 6 Prozent sehen einen großen Effekt im Ergebnis. Dazwischen liegt eine Rechnung, die selten gemacht wird.

Lesezeit: 7 Min.Stand: Okt. 20263 Quellen

Fragt man Beschäftigte, ist die Sache klar. Fragt man das Controlling, wird es still. Die Lücke zwischen gefühltem Nutzen und messbarem Ergebnis ist die größte offene Frage beim Thema AI im Unternehmen.

Die Lücke in Zahlen

McKinsey hat vom 4. Mai bis 8. Juni 2026 1.719 TeilnehmendeU befragt. 80 %U berichten persönliche Produktivitätsgewinne durch AI. Als „AI High Performer“ gilt, wer mindestens 5 % des EBIT auf AI zurückführt und den Effekt als signifikant beschreibt. Dieser Anteil stagniert bei rund 6 %U. 32 %U der Befragten bauen eigene Lösungen lieber selbst, statt zu kaufen. 39 %U erwarten durch AI eine sinkende Zahl an Beschäftigten.

In Deutschland wächst gleichzeitig das Budget. Laut Bitkom wollen 45 % der UnternehmenU 2026 mehr für AI ausgeben. Ein Drittel sieht ohne AI die eigene Existenz bedroht.

Die dänische Studie von Humlum und Vestergaard liefert eine mögliche Erklärung für die Lücke: Die gesparte Zeit kommt bislang kaum in Löhnen oder Arbeitsstunden an. Sie verteilt sich im Alltag.

Die Rechnung

Der Netto-Effekt pro Monat ergibt sich aus:

gemessene Zeitersparnis × Vollkostensatz × Anzahl Personen − (Lizenzen + Einführung und Schulung, auf Monate verteilt)

Eine Beispielrechnung mit klar benannten Annahmen:

Posten Annahme Monat
Team 20 Personen
Zeitersparnis 1,12 Stunden pro Woche (2,8 % von 40 Stunden), im Team 22,4 Stunden pro Woche rund 97 Stunden
Vollkostensatz 50 Euro pro Stunde rund 4.850 Euro
Lizenzen rund 25 Euro pro Person −500 Euro
Einführung und Schulung 3.000 Euro einmalig, auf 12 Monate verteilt −250 Euro
Netto rund 4.100 Euro

Dieser Betrag ist allerdings nur ein Potenzial. Zum Ergebnis wird er erst, wenn die gewonnene Zeit in messbare Arbeit fließt: mehr bearbeitete Fälle, kürzere Durchlaufzeiten, weniger Überstunden oder weniger externe Kosten.

Der Ablauf

AblaufAI-SchrittMenschSystem und DatenPrüfung
  1. 01StartBaseline: Zeit, Menge, Qualität vor dem Start
  2. 02MenschPilot mit klarer Aufgabe und Gruppe
  3. 03SystemGleiche Messung nach vier bis sechs Wochen
  4. 04SystemNetto-Effekt nach Lizenz-, Einführungs- und Prüfkosten
  5. 05PrüfungPositiv und belastbar?
    nein: Aufgabe wechseln oder stoppen
  6. 06ErgebnisFestlegen, wofür die gewonnene Zeit genutzt wird

Grenzen und Risiken

  • Selbstauskunft: Geschätzte Zeitersparnis ist systematisch zu hoch. Miss mit Stoppuhr, Ticketdaten oder Zeiterfassung.
  • Versteckte Kosten: Prüfaufwand, Fehlerkorrekturen und Wartung von Workflows gehören in die Rechnung.
  • Studienlage: Viele ROI-Studien werden von Anbietern finanziert. Verlass dich auf eigene Messungen.

So startest du

  1. Wähle eine Aufgabe mit messbarem Output, etwa Tickets, Angebote oder Berichte.
  2. Erfasse zwei Wochen lang Zeit und Menge ohne AI.
  3. Wiederhole die Messung nach vier bis sechs Wochen mit AI.
  4. Lege vorab fest, wofür die gewonnene Zeit genutzt werden soll, und prüfe es nach drei Monaten.

Quellen

  1. UMcKinsey: The state of AI in 2026, On the road to ROI, 25.08.2026
  2. UBitkom: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI, 14.09.2026
  3. SHumlum, Vestergaard: Large Language Models, Small Labor Market Effects, NBER WP 33777, 2025
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